Wenn das Alte geht und das Neue noch nicht da ist – und was “Hot Cross Buns” damit zu tun haben
Ist es nicht ein kleines Wunder? Ja natürlich, Ostern auch und seine Geschichte. Aber, dass ich inzwischen im Monat drei meines neuen Blogs bin und tatsächlich auch beim 3. Blogeintrag. Und das ganz ohne es mir fett in meine ToDo Liste geschrieben zu haben. Es kommt ganz von allein im Moment, sehr natürlich und ohne Druck. Das nenne ich mal: pure Schöpfung.
Und wie schaffe ich jetzt die Überleitung zum österlichen Impuls, den ich dir heute gern geben möchte – gepaart mit leckersten Food Fotografien, die vor drei Jahren in einer gemeinsamen Produktion mit meiner geschätzten Kollegin und Food Stylistin Friederike Fabricius entstanden sind?!
Ich versuche es mal mit einer IST-Beschreibung:
Ich schreibe hier zwischen Umzugskartons, Staubflocken und einem kalt gewordenen Tee. Die Pflanzen im Wohnzimmer haben frische Erde bekommen, bevor sie umziehen müssen, die Schnittblumen in der Vase lassen die Köpfe hängen.
Alles steht auf Zeichen: Ende. Neuanfang. Renovierung. Umzug.
Altes Raushauen und irgendwie auch zwischen den Stühlen in der Luft hängen.
Das fühlt sich nicht immer rosig und lecker an. Und für dieses Gefühl muss man auch nicht immer gleich umziehen. Ich bin mir sicher, dass du diesen Zustand kennst – er ereilt uns immer wieder wenn sich Altes verabschiedet und das Neue noch nicht ganz da ist.
Was ist das Dazwischen?
Im Coaching würden wir jetzt von Übergangsphase sprechen. Hier, jetzt und heute nenne ich es gern: das Dazwischen. Diese unbequeme, unsichere, hoffnungsvolle Phase des Übergangs.
In einem alten Blogartikel habe ich mal geschrieben: "Ostern steht für mich symbolisch für die Untrennbarkeit von Leben und Sterben. Das Alte geht, das Neue darf kommen."
Heute geht es mal um das „Dazwischen“ – weil es die Phase ist, die uns so unbequem und oft unangenehm erscheint und doch ist sie gleichzeitig so wichtig und nützlich für unser Wachstum.
Warum?
Die Hot Cross Bun - Metapher
Stell‘ dir vor, du nimmst ein leckeres „Hot Cross Bun“ (Osterbrötchen aus Australien & Großbritanien) viel zu früh aus dem Ofen, weil du es nicht aushältst und es am liebsten gleich essen willst. Du beißt hinein und… es ist noch matschig und schmeckt nach Mehl und weiter nichts.
Es ist nicht gut. Es hatte nicht genug Zeit, um richtig aufzugehen und seinen Geschmack zu entfalten. Die Rosinen sind zu hart, das Mehlkreuz nicht gebacken, die Marmeladenglasur fehlt. Es ist noch „dazwischen“.
So wie wir in Übergangsphasen, ist es noch nicht „fertig“ und vielleicht auch ein wenig ungenießbar. Es lässt sich davon aber nicht abhalten, ein leckeres Osterbrötchen zu werden, wenn wir es nur lang genug im Ofen lassen und ihm genau die richtige Zeit geben.
Du verstehst, was ich meine, oder?! Ja, manchmal sind wir selbst die Hot Cross Buns und brauchen einfach unsere Zeit.
Das Loslassen von Altem ist meist keine Entscheidung, die du heute triffst und morgen umsetzt. Oft entscheiden wir selbst auch nicht das Ende, sondern werden damit überrascht. Zum Beispiel mit einer verlorenen Freundschaft, einer Beziehung die vorbei ist, einer Arbeitsstelle die endet, Veränderungen durch neue KollegInnen. Und selbst wenn es unsere Entscheidung ist, so braucht auch das Zeit zum Abschied nehmen, sortieren, wieder ausrichten und hinübergehen ins Neue. Und so baumeln wir eben manchmal irgendwie in der Luft, wissen nicht so richtig wohin mit uns selbst, dem Ballast, den Umzugskartons oder unseren Gefühlen.
Das ist völlig in Ordnung so.
Was passiert im „Dazwischen“?
Seit Monaten renovieren wir uns neue Wohnung, während wir die alte ausmisten. Wir hacken Fliesen ab, entrümpeln die Schränke, koordinieren Handwerker. Unsere alte Wohnung verändert sich vom gemütlichen Familiendomizil zum staubflockenwedelnden Umzugschaos und wir mitten drin. Ich kann Unordnung absolut nicht leiden, Schmutz auch nicht und lebe dennoch mit all dem seit Monaten.
Wachstum im “Unfertigen”
Während wir mit all diesen scheinbar überfordernden Zuständen beschäftigt sind, passiert etwas: Wachstum. So wie das Osterbrötchen schön in Ruhe im warmen Ofen vor sich hinwächst, so wachsen wir. Vielleicht, oder ganz bestimmt, haben wir es manchmal nicht so kuschelig warm, dennoch wachsen wir, ohne es zu merken. So wächst die neue Wohnung, so wächst unser Bewusstsein für: was brauchen wir wirklich zum Leben und Wohlfühlen und was ist Ballast.
Wachstum passiert nicht im Alten. Auch nicht im Neuen. Es passiert meist unbemerkt im Dazwischen. Im Unfertigen. Das ist der „Sweet Spot“, den du nicht unterschätzen solltest.
Was hilft im “Dazwischen”?
Für die unangenehmen Nebenwirkungen habe ich ein paar Ideen für dich, sie helfen mir selbst und sind mehrfach erprobt, denn ehrlich gesagt kenne ich mich sehr gut aus mit diesen „Dazwischen“ Phasen.
Ich wiederhole mich bestimmt, aber es ist mein Mittel der Wahl für schwierige Phasen:
Das GEHEN, mit oder ohne Kamera – sehr gern mit – Bewegung hilft. Fotografieren mir selbst auch. Ich fokussiere mich und das Laufen erdet mich.
Das SCHREIBEN für mich selbst sortiert meine Gedanken und gibt meinen Gefühlen ein Sprachrohr. „Schreiben ist die Reinigungsfirma meiner Seele.“ – auch das habe ich bestimmt schon einmal erwähnt.
Das AKZEPTIEREN des Zustandes kommt meist als Folge – vielleicht muss ich davor noch einmal in die Küche und Hot Cross Buns backen. ;-) Ohne Mist, etwas Schönes zu erschaffen, während das Chaos um einen herrscht, kann auf jeden Fall in dieser Phase helfen.
Dir fallen bestimmt selbst noch ein paar hilfreiche Dinge ein. Und dann ist der Weg freier für die Akzeptanz, die nicht das Unbequeme bekämpft, sondern es erstmal da sein lässt.
Und manchmal hilft auch: Jemanden an der Seite zu haben, der sagt: "Es ist okay, dass du noch nicht fertig bist."
Für mich bedeutet Ostern neben all dem schönen Unbequemen in diesem Jahr vor allem auch Freude, Genuss & Essen zu teilen – somit kommt hier ein Rezept, das perfekt zum Thema passt.
Hot Cross Buns-Rezept – Zeit, Wärme & Geduld
Hot Cross Buns mit Schokolade. Die MÜSSEN im Ofen bleiben, bis sie fertig sind. Genau wie wir. Sie brauchen Zeit, Wärme und Geduld.
Und am Ende? Sind sie wunderbar.
Die Zubereitung der Hot Cross Buns mit Schokolade
Milch und Butter auf dem Herd kurz erwärmen, bis die Butter geschmolzen ist.
nicht kochen lassen! vom Herd nehmen und handwarm abkühlen lassen.
Erst einmal nur 500g des Mehls, Trockenhefe, Salz, Zucker und eventuell Zimt, falls gewünscht, mischen. Ist die Milchmischung handwarm, darf sie mit dem Ei zur Mehlmixtur.
Mit den Händen (dauert sehr lange) oder mithilfe einer Küchenmaschine so lange kneten, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst.
Mit der Küchenmaschine und Knethaken dauert das ca. 7-8 Minuten. Ist der Teig zu feucht und löst sich partout nicht zum Schüsselrand, um zu einer Kugel zu werden, nach und nach mehr Mehl hinzufügen.
Aus der Schüssel holen, mit den Händen auf leicht bemehltem Untergrund noch 1-2 mal durchkneten und in einer leicht geölten Schüssel abgedeckt an einem warmen, zugfreien Ort ca. 1 Stunde und 15 Minuten lang gehen lassen, bis er sich sichtlich vergrößert hat.
Den Teig einmal mit der Hand einboxen aus der Schüssel holen und in ca. 12 gleich große Stücke teilen.
Aus jedem der Teigstücke eine Kugel formen, dabei die Schokoladenstücke einfügen.
Die Brötchen mit ca. 1cm Abstand voneinander auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und erneut ca. 30 Minuten lang abgedeckt an einem warmen Ort gehen lassen.
währenddessen den Ofen auf 200°C Ober- und Unterhitze vorheizen.
Für die Kreuzpaste:
Mehl und Zucker mischen
Das Wasser Esslöffelweise dazu fügen und vermengen, bis eine dicke Paste entstanden ist. Sie sollte nicht zu dünnflüssig sein, sonst läuft sie weg, aber auch nicht zu zäh, sonst lässt sie sich nicht auf die Brötchen spritzen.
Die Mehlpaste mithilfe einer Spritztülle oder aufgeschnittenem Gefrierbeutel kreuzförmig auf die Buns geben
Die Buns kommen nun in den Ofen und zwar ca. 20 Minuten lang auf mittlerer Schiene.
Aus dem Ofen holen und die Aprikosenkonfitüre in einem kleinen Topf leicht erwärmen und mithilfe eines Backpinsels über die noch warmen Brötchen pinseln.
Das Styling auf den Fotos verdanke ich Friederike Fabricius vom Fleckschen Gut – wir haben vor ein paar Jahren zusammen für meinen Blog geshootet, und diese Bilder bringen ganz wunderbare Erinnerungen zurück.
Es gibt in diesem Jahr übrigens einen Fotowalk & Talk der bei Friederike auf dem Fleckschen Gut mit leckeren Snacks endet. Hier erfährst du mehr und kannst dich auch schon anmelden! Am 23. August ist es soweit.
Dein Selbstreflexions-Osterei
Und nun zum Schluss für dich ein kleines Selbstreflexions-Osterei:
Wo befindest du dich gerade?
Im Dazwischen?
Zwischen Altem und Neuem?
Zwischen "nicht mehr dort" und "noch nicht ganz da"?
Falls ja: Du bist nicht allein. Und du bist nicht falsch.
Du bist genau richtig – auch wenn du dich gerade vielleicht etwas matschig, unfertig und zwischen den Stühlen fühlst.
Ich wünsche dir von Herzen frohe Ostern!
Deine Antje Braga
Falls du gerade im Dazwischen steckst und jemanden brauchst, der mit dir ein Stück geht:
→ Kreatives Coaching – für alle, die in Übergängen Begleitung suchen
→ Fotowalk & Talk – gemeinsam gehen, sehen und fotografieren
Oder schreib mir einfach HIER!